Das Fach Französisch an der DSB Kairo

Die französische Sprache nimmt sowohl in der ägyptischen als auch in der deutschen Gesellschaft einen besonderen Platz ein. Sie wird nicht als lingua franca gebraucht, diese Funktion übernimmt heute das Englische, sondern sie stellt sich als Kulturgut dar, welches bei weitem über die reine Sprachmittlung hinausgeht. So war Französisch lange eine der Oberschicht in beiden Ländern vorbehaltene Sprache. Es schickte sich, sie zu erlernen und gleichzeitig französische Lebensart, le savoir-vivre, zu übernehmen. Heute ist es eher die Sprache der an der französischen Leichtigkeit, dem savoir-être interessierten, und die Gründe des Erlernens dieser Sprache sind vielfältiger geworden. Während in Deutschland sich heute viele Schüler für das Spanische entscheiden, weil es als leichter zu erlernen gilt, halten insbesondere die besseren Schüler und deren Eltern dort dennoch an der Auswahl des Französischen fest, wenn es darum geht, am Ende der Klasse 5 eine 2.Fremdsprache ab Klasse 6 auszuwählen. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand, denn in keiner anderen Fremdsprache wird aufgrund der Regelmäßigkeit und Systematik der französischen Grammatik Fleiß so sehr belohnt wie hier. Man mag es kaum glauben, jedoch stammen 60% des englischen Vokabulars direkt aus dem Französischen, importiert von Wilhelm dem Eroberer (William the Conqueror) und implementiert durch eine jahrhundertelangen französischen Throndynastie in England, ich erinnere Sie hier nur an Richard Löwenherz, den jedes Kind kennt und der Französisch sprach, oder an Schillers Drama Maria Stuart. Und ja, nach dem Hundertjährigen Krieg gibt es heute immer noch keinen  Friedensvertrag zwischen England und Frankreich. Und gerade im Prozess der voranschreitenden europäischen (Ver-)Einigung nimmt Frankreich neben Deutschland eine Sonderrolle ein, denn die beiden Länder werden heute nicht nur wegen ihrer gemeinsamen Ursprünge seit Karl dem Großen und den Straßburger Eiden als Motor Europas gesehen, sie gelten als gemeinsamer  Grundstein europäischer Identität. Ich erinnere an den Spitznamen der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und des vorigen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, welche bei gemeinsamen Auftritten stets als Merkozy bezeichnet wurden. Und so bin ich überzeugt, auch der neue französische Präsident François Hollande wird sich mit der Zeit einfügen, vielleicht zu einem Merlande?

Die Eltern, die an der DSB Kairo mit ihren Kindern zuhause Französisch sprechen, mögen weniger werden. Doch im Anspruch einer Eliteschule, die ihren Schülerinnen einerseits europäische Lebensart, Denkweisen und Kultur näherbringen möchte, andererseits ihren Schwerpunkt auf Fremdsprachen legt, gehört Französisch zu den Grundbausteinen einer soliden (Aus-)Bildung. Der Nutzen dieser Sprache mag vielen unserer Mädchen erst viel später einleuchten, jedoch ist sie sowohl für die Persönlichkeitsbildung als auch für die Ausbildung von vielen erforderlichen Kompetenzen unerlässlich.

Die Einführung der neuen Buchreihe im Anfangsunterricht und in der Oberstufe zum Schuljahr 2012/2013 stellt hier im Bereich der Anwendungsvermittlung, also der Kompetenzerweiterung unserer Schülerinnen, einen elementaren Baustein zu mehr Freude am Französischunterricht dar, so dass das als Basis für unseren Unterricht geltende savoir-faire an unserer Schule schülerfreundlicher und kompetenzorientierter vermittelt werden kann.

Cordialement,

E.Groß

(Fachleiter Französisch)

.